Wozu ein Businessplan, ich brauch doch keinen Investor!

April 28, 2017

Das höre ich bei meiner Arbeit immer wieder.

"Ich brauche doch keinen Businessplan oder Pitch, weil ich keine Finanzierung brauche."

 

Man ist euphorisch und denkt, man hat eine gute Idee, wozu sich dann mit 20 Seiten theoretischem Text oder sogar einem Finanzplan aufhalten, wenn man doch gleich losstarten kann. Und abgesehen davon, ist der Businessplan ja schon Makulatur sobald er fertig ist, denn - hey - als StartUp muss man flexibel bleiben und jederzeit die Weichen neu stellen oder alles über den Haufen werfen.

 

Und genau hier liegt der Hund begraben. Was man sich vielleicht in der eigenen Euporie erst einmal vielleicht nicht überlegen möchte oder möglicherweise auch nicht eingestehen möchte ist, dass ein Projekt so lange nicht im Detail aufgearbeitet ist, solange es nicht richtig strukturiert in schriftliche Form gebracht wird. Man schifft gerne um ungeklärte Fragen herum, die Konkurrenz zu beleuchten ist eigentlich auch nicht so schön und wie ich nun an Marktzahlen komme, weiß ich doch nicht. Zudem könnte ich bei meiner Arbeit doch bemerken, dass ich nicht davon leben kann, so wie es derzeit in meinem Kopf herum schwirrt.


Am Ende denkt man vielleicht hier über etwas nach und dort auch, aber die ganzen kleinen gelben Notizzettelchen stapeln sich irgendwann und keiner weiß mehr, was eigentlich der große Plan dahinter war. "Hast Du unser Monetarisierungskonzept irgendwo gesehen?"

 

Der größte Vorteil eines Businessplanes ist also nicht, dass man dann ein Dokument in Händen hält, das einem potentiellen Investor das Unternehmen erklärt, sondern es ist ein wichtiges Dokument um sich strukturiert genau die richtigen und vor allem notwendigen Fragen zu stellen. Indem man alle Fragen klären muss, sich allen Bereichen des Unternehmens gleichermaßen widmen muss - und nicht nur dem Bereich, der einem am meisten Spaß macht - werden auch Fragen aufgeworfen, die man sich in der "Zettelwirtschaft" niemals gestellt hätte. Das Projekt oder Unternehmen bekommt klare Konturen, man versteht wo die Risiken liegen und kann sich bereits im Vorfeld dafür Szenarien überlegen.

Beim Pitch verhält es sich noch einmal anders. Hat man den Businessplan soweit fertig, hat man bereits einen guten Überblick über sein Projekt. Und doch gibt es dort oder da noch Fragen der Positionierung. Ein Pitch zwingt Euch dazu Euer komplettes Vorhaben, also die ganzen 20-25 Seiten in 5-10 Seiten Präsentation zu quetschen - also nicht Volltext, sondern Präsentation, die maximal 3 Minuten dauern sollte. Es ist also notwendig, sein Projekt zu verdichten und wirklich nur den Kern herauszuschälen. Anfangs ist es die Pest, später werdet Ihr, besonders wenn es an Marketinkampagnen geht, froh sein, dass Ihr diese Arbeit bereits hinter Euch habt. Gerade dann, wenn Ihr alle Hände voll zutun habt, ist es ein Segen, sich diese Gedanken nicht mehr machen zu müssen.

Auch wenn vielen dieses kurze Kommentar sehr basic vorkommt, ich hatte das Gefühl, dass das einfach mal gesagt werden muss um das Verständnis dafür zu schaffen, was ein Businessplan oder Pitch eigentlich leistet.

Und noch ein Tipp: Auch wenn Ihr froh und glücklich über Euren Businessplan seid, es wird die Zeit kommen, dass sich das was Ihr aufbaut von dem Entwurf am Businessplan unterscheidet. Hinterfragt immer, ob sich die Änderungen lohnen und ob Ihr vom Businessplan abweichen sollt. Könnt Ihr die Frage mit Ja beantworten - Go!

Please reload

LETZTENS
RSS Feed

2 Apr 2016

Please reload

ARCHIV
Please reload